[GBay] Tagungsbericht: Forchheim im Hochstift Bamberg

Geschichte Bayerns (Dr. Thomas Paringer) T.Paringer at kbl.badw-muenchen.de
So Okt 21 12:20:48 CEST 2007


Betreff: Symposion: Forchheim im Hochstift Bamberg
Datum: Fri, 19 Oct 2007 18:11:27 +0200
Von: Bernd Krause <bgeschichte at aol.com>
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Symposion: „Forchheim im Hochstift Bamberg in der Fruehen Neuzeit“

Kaiserpfalz Forchheim, 13. Okt. 2007

Zu einem Symposion ueber die Rolle von „Forchheim im Hochstift Bamberg in
der Fruehen Neuzeit“ lud am 13. Oktober 2007 der Foerderkreis Kaiserpfalz
e.V. in die Kaiserpfalz. Die „Kaiserpfalzgespraeche“ – die dritte
Veranstaltung dieser Art – standen im Zeichen des Jubilaeums „1000 Jahre
Bistum Bamberg“, stellten jedoch bewusst nicht das Mittelalter, sondern
die nachmittelalterliche Kernzeit der Bamberger Hochstiftsgeschichte
zwischen 1500 und 1800 in den Mittelpunkt. Prof. Dr. Hermann Ammon, 1.
Vorsitzender des Foerderkreis, begruesste zu dieser Tagung eine
vergleichsweise kleine Zuhoererschaft, die sich aber rege an den
Diskussionen beteiligte.

Mitinitiator und Hauptreferent war Dr. Andreas Otto Weber, Assistent am
Lehrstuhl fuer Bayerische und Fraenkische Landesgeschichte an der
Universitaet Erlangen-Nuernberg, den Forchheimern auch als
Kreisheimatpfleger bekannt. Weber referierte zunaechst ueber die
Hintergruende, die im Jahr 1607 zum Vertrag von Forchheim fuehrten. Dieser
Friedensschluss stand am Ende einer langen, sich ueber rund 100 Jahre
hinziehenden Auseinandersetzung zwischen dem Hochstift Bamberg und den
Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach, in deren Mittelpunkt Burg
Streitberg stand. Gezielt gesuchte und durchgefuehrte diplomatische
Verhandlungen fuehrten hier jedoch letztendlich und trotz „Stoerung“ durch
Reformation, Landfriedensbrueche und Kriege zu einer friedlichen
Konfliktloesung - heute noch sichtbar anhand einiger markanter
Grenzsteine von 1607, die seinerzeit die Grenzen zwischen dem Bamberger
und dem Nuernberger Einflussbereich deutlich markieren sollten.

Als eine Art „Werkstatt-Vortrag“ bezeichnete Dr. Klaus Rupprecht vom
Staatsarchiv Bamberg seinen Bericht ueber das aussergewoehnliche 
Verhaeltnis
zwischen Adel und den uebrigen Bewohnern von Forchheim. Die Privilegien
des in der Stadt ansaessigen Adels boten immer wieder Konfliktstoff,
standen doch Exemtion (Ausnahme) von Stadtgerichtsbarkeit und
Steuerabgaben sowie selbststaendigen Unternehmungen in Landwirtschaft und
Handel den Interessen der uebrigen Bewohner in Stadt und Umland entgegen.
Der Adel – so Rupprechts Beobachtung anhand der Quellen – war zudem
gegenueber anderen Staedten des Hochstiftes in Forchheim staerker praesent;
trotzdem gab es gerade hier weniger Konflikte als anderswo. Die Frage
nach dem „Warum?“ wurde vom Referenten bewusst im Raum stehen gelassen.

Aspekte des juedischen Landlebens im Forchheimer Land standen im
Mittelpunkt eines Vortrags von Claudia Loeffler. Die Wissenschaftlerin
konnte eindruecklich deutlich machen, dass – entgegen zahlreicher
einschlaegiger Darstellungen – im laendlichen Zusammenleben zwischen Juden
und Christen das friedliche Neben- und Miteinander das taegliche Leben
bestimmte. Nach der Vertreibung der Juden aus den Staedten im ausgehenden
15. Jahrhundert konstituierten sich auch im Forchheimer Umland
zahlreiche Judengemeinden, die erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts
aufgrund von Neuansiedlungen in der Stadt allmaehlich erloschen; der
grosse Judenfriedhof in Baiersdorf stellt eines der letzten Zeugnisse von
der Praesenz des Judentums im Forchheimer Land dar.

In seinem zweiten Vortrag berichtete Dr. Weber schliesslich ueber die
Reichsritter­schaft im Forchheimer Unland und ihre herausragende Rolle,
die sie bei der Besetzung hochrangiger Aemter und Positionen im Hochstift
– etwa im Domkapitel – spielten. Zudem zeigte Weber am Beispiel
Kunreuth, das seit 1721 als Verwaltungssitz der Reichsritterschaft im
Kanton Gebuerg fungierte, welchen Einfluss dieser Stand auch auf die
Siedlungserweiterungen und deren besonderen Charakter ausuebte, trugen
doch Siedlungen um Rittergueter herum im Gegensatz zu den „Doerfern“ im
bischoeflichen Herrschaftsbereich eher urbanen Charakter.

Bernd Krause



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